Überarbeitete DIN 18040: Was sich für barrierefreie Türen, Brandschutz und Gebäudeplanung ändern wird

Die Normenreihe DIN 18040 ist eine wichtige Planungsgrundlage für barrierefreies Bauen in Deutschland und wird derzeit mit der europäischen Norm DIN EN 17210 zur Barrierefreiheit und Nutzbarkeit der gebauten Umwelt harmonisiert. Architekt, Fachplaner für barrierefreies Bauen und GEZE Experte Günther Weizenhöfer ist Obmann des zuständigen DIN-Arbeitsausschusses und gibt hier einen Einblick, welche relevanten Änderungen sich daraus für Türen und deren Bedienkräfte, Brandschutz und barrierefreie Selbstrettung für Architekten, Fachplaner und Gebäudebetreiber ergeben werden. 

Was regelt die DIN 18040?

Barrierefreie Türen in Flucht- und Rettungswegen können Leben retten. © lake.office / GEZE GmbH

Die Normenreihe DIN 18040 beschreibt Planungsgrundlagen für das barrierefreie Bauen: 

  • DIN 18040-1 betrifft öffentlich zugängliche Gebäude, 
  • DIN 18040-2 Wohngebäude,
  • DIN 18040-3 den öffentlichen Verkehrs- und Freiraum.

Ziel der Normenreihe ist es, die gebaute Umwelt so zu gestalten, dass sie von Menschen mit Behinderungen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe, genutzt werden kann.

DIN 18040 musste überarbeitet werden, um widerspruchsfrei mit der europäischen DIN EN 17210 zu sein.

MEHR ZUR ÜBERARBEITUNG DER DIN 18040

Warum wird die barrierefreie Selbstrettung für die Planung wichtiger?

Die Bedienkraft wird für die barrierefreie Planung wichtiger. © lake.office / GEZE GmbH

Eine wesentliche Änderung der überarbeiteten DIN 18040 betrifft die barrierefreie Selbstrettung. Dahinter steht das Ziel, dass sich Personen im Gefahrenfall möglichst selbstständig und ohne Unterstützung anderer Personen in einen sicheren Bereich bewegen können. Gerade im Brandschutz ist das relevant. Traditionelle Rettungskonzepte gehen häufig davon aus, dass Menschen mit Behinderungen von anderen anwesenden Menschen unterstützt werden. Doch was passiert, wenn keine anderen Personen vor Ort sind? Barrierefreiheit und Selbstrettung müssen deshalb bereits im Brandschutzkonzept betrachtet werden.
Für Architekten und Brandschutzplaner bedeutet das: Für Türen in Flucht- und Rettungswegen können besondere Anforderungen gelten. Besonders Feuer- und Rauchschutztüren werden dabei zum kritischen Punkt, weil sie einerseits zuverlässig schließen müssen und andererseits für Menschen mit Behinderungen passierbar bleiben müssen.
 

Bedienkräfte an Türen: Warum wird die tatsächliche Kraft am Griff entscheidend?

Bei der barrierefreien Planung von Türen sorgt die Bedienkraft regelmäßig für Missverständnisse: In der bisherigen Planungspraxis wurde häufig nur die Einstellung des Türschließers betrachtet. Doch diese allein sagt nicht aus, wie viel Kraft eine Person tatsächlich benötigt, um eine konkrete Tür zu öffnen. Türbreite, Hebelverhältnisse, Dichtungen, Bänder, Druckverhältnisse und weitere Einflüsse können die erforderliche Kraft verändern. Die überarbeitete DIN 18040 thematisiert deshalb die tatsächlich am Griff zu messende Bedienkraft: Für bestimmte Brandschutztüren beträgt der Grenzwert 50 Newton.

Zum Vergleich: Für barrierefrei gestaltete Arbeitsstätten legt die derzeit geltende ASR V3a.2 für bestimmte Beschäftigtengruppen beim Öffnen handbetätigter Türen und bei der Bedienung handbetätigter Beschläge maximal 25 N fest. Für Planer ist dieser Unterschied wichtig: DIN 18040 und Arbeitsstättenrecht haben unterschiedliche Anwendungsbereiche und dürfen nicht ohne Prüfung gegeneinander ausgetauscht werden.
 

Barrierefreie Türen erfordern möglichst geringe Türschwellen. © Jürgen Biniasch / GEZE GmbH

Was genau bedeutet die neue Schwellenhöhe für die Detailplanung?

Ein weiteres Detail der überarbeiteten Fassung der DIN 18040 wird den zulässigen Höhenunterschied bei Türschwellen betreffen: Grundsätzlich sollten barrierefreie Übergänge niveaugleich ausgeführt werden. Bei technischer Unabdingbarkeit darf die Höhendifferenz nicht mehr als 1 cm betragen. Die Planung der Schwelle betrifft zugleich mehrere Gewerke. Bodenaufbau, Abdichtung, Entwässerung, Türsystem und angrenzende Flächen müssen frühzeitig aufeinander abgestimmt werden. Werden diese Schnittstellen erst während der Ausführung betrachtet, kann eine normgerechte Detailausbildung deutlich aufwendiger oder sogar unmöglich werden.

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Welche Rolle spielt Gebäudeautomation bei barrierefreien Türen?

Bei barrierefreien Türen denkt man zunächst an Automation mit Antrieben. Türen müssen heute jedoch vielfach mehrere Anforderungen gleichzeitig vereinen, beispielsweise Brandschutz, Fluchtwegsteuerung, Zutrittskontrolle, Barrierefreiheit und automatische Türsteuerung. Damit entstehen zum einen Schnittstellen zwischen den Anforderungen, die zum Teil auch widersprüchlich sein können. Zum anderen kann sich die Notwendigkeit ergeben, Türen aus der Ferne anzusteuern oder Informationen zu Türzuständen an externe Stellen weiterzuleiten. Hier ist die Anbindung der Tür an Gebäudemanagementsysteme von Vorteil. Für Betreiber liegt der Nutzen vor allem in der Transparenz über den Anlagenzustand: Er kann Zustände zentral überwachen, unterschiedliche Systeme koordinieren und Störungen oder Wartungsinformationen frühzeitig erhalten.

Schutzziele erreichen: Was Planer bei der neuen DIN 18040 beachten sollten

Die DIN 18040 arbeitet mit Schutzzielen, die an vielen Stellen den Anforderungen vorangestellt werden. Anschließend benennt die Norm, wie dieses Ziel umgesetzt werden kann. Es besteht jedoch die Möglichkeit, das jeweilige Schutzziel auch anders als in der Norm beschrieben zu erreichen. Wer jedoch eine andere Lösung wählt, muss fachlich nachweisen, dass das geforderte Schutzziel in vergleichbarer Weise erreicht wird. Ein projektspezifisches Barrierefreiheitskonzept oder eine fachliche Bewertung kann sich hier als Nachweis eignen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Maßangaben ohne Weiteres verändert werden können: Alle Maße sind Fertigmaße, und die zulässigen Bautoleranzen dürfen nicht zu einer Unter- oder Überschreitung von geforderten Maßen führen. Damit ist die Barrierefreiheitsnorm DIN 18040 gerade bei komplexen Gebäuden weniger als isolierte Maßtabelle zu verstehen, sondern als Teil eines übergreifenden Planungskonzepts für Barrierefreiheit.

Wird die Planung barrierefreier Türen durch die neue DIN 18040 komplexer?

Die neue Betrachtung der Bedienkräfte macht deutlich: Ob eine Tür barrierefrei nutzbar ist, lässt sich nicht allein anhand eines einzelnen Produktmerkmals beurteilen.
Bei der Planung spielen unter anderem folgende Faktoren zusammen:

  • Türblattbreite und Türblattgewicht
  • erforderliche Schließmomenteinstellung des Türschließers
  • Türbänder und Dichtungen
  • eingesetzte Beschläge
  • Türöffner bei Zutrittkontrollsystemen
  • Anforderungen an Feuer- und Rauchschutz
  • Lage des Türelements in einem Fluchtweg in Verbindung mit barrierefreier Selbstrettung

Werden die zulässigen Bedienkräfte bei einer manuellen Lösung überschritten oder bestehen zusätzliche Anforderungen an Komfort und Selbstrettung, kann eine automatisierte Türlösung erforderlich sein.
GEZE berücksichtigt diese Einflussgrößen bei der Planung von Türsystemen. Für manuell bediente Türen können sich beispielsweise Türschließerlösungen wie der TS 5000 ECline oder TS 7000 eignen. Welche Lösung die jeweils geforderten Bedienkräfte erreicht, muss anhand des kompletten Türelements und der Einbausituation geprüft werden.
 

Bei multifunktionalen Türen reicht es nicht mehr, nur eine einzelne Anforderung zu betrachten: Barrierefreiheit, Brandschutz und die technische Funktion der Tür müssen als Gesamtsystem geplant werden.

Dipl.-Ing. Arch. Günther Weizenhöfer

Checkliste: Was bedeutet die neue DIN 18040 für Architekten und Planer?

Die Überarbeitung der DIN 18040 wird vor allem die Bedeutung einer frühen gewerkeübergreifenden Planung erhöhen, denn viele Anforderungen lassen sich nachträglich nur mit zusätzlichem Aufwand und damit verbundenen Zusatzkosten korrigieren.

Für die Planung empfiehlt es sich deshalb bei aktuellen Projekten, insbesondere folgende Fragen frühzeitig zu klären:

  1. Welche Anforderungen an die Barrierefreiheit gelten für das konkrete Gebäude und den jeweiligen Nutzungsbereich?
  2. Welche Türen liegen in Flucht- und Rettungswegen?
  3. Welche Türen müssen Feuer- oder Rauchschutzanforderungen erfüllen?
  4. Welche Bedienkräfte sind in der konkreten Nutzung einzuhalten?
  5. Lassen sich diese Bedienkräfte mit einer manuellen Türlösung erreichen?
  6. Wo kann ein Freilauftürschließer oder eine automatische Tür erforderlich werden?
  7. Welche Nachrüstoptionen sollten bereits baulich vorbereitet werden?
  8. Wie sind Türautomation, Fluchtwegsteuerung, Zutrittskontrolle und Gebäudeautomation aufeinander abgestimmt?
  9. Befindet sich das Türelement im Einflussbereich einer Druckbelüftungsanlage?
  10. Welche Anforderungen ergeben sich aus dem Brandschutzkonzept hinsichtlich der barrierefreien Selbstrettung?

Je früher diese Aspekte zusammengeführt werden, desto besser lassen sich funktionale Konflikte zwischen Barrierefreiheit, Brandschutz und Türtechnik bereits in der Planung erkennen.

GEZE unterstützt Fachplaner und Architekten in allen Projektphasen und bietet eine umfassende Projektberatung hinsichtlich aller Spezifikationen, Lösungen und Support-Leistungen.

Kontaktieren Sie unsere GEZE Experten über die Architektenhotline: +49-7152-203-112.

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Häufige Fragen zur neuen DIN 18040

Warum wurde eine Überarbeitung der DIN 18040 erforderlich?

Die Überarbeitung der DIN 18040 hatte unter anderem zum Ziel, die Widerspruchsfreiheit zur europäischen DIN EN 17210 herzustellen. Darüber hinaus wurden Inhalte der Norm konkretisiert und angepasst.

Was bedeutet barrierefreie Selbstrettung?

Barrierefreie Selbstrettung bedeutet, dass Menschen mit Behinderungen einen Gefahrenbereich selbstständig und ohne fremde Hilfe verlassen bzw. einen sicheren Bereich erreichen können.

Gibt es technische Lösungen für die barrierefreie Selbstrettung?

Welche Lösung geeignet und zulässig ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, z. B. der Notwendigkeit eines Funktionserhalts bei Antrieben.

Für entsprechende projektbezogene Anwendungen bietet GEZE beispielsweise die Lösung Powerturn Self-Evacuation an. Nach Auslösung der Feststellanlage kann die Antriebstechnik die Begehung der Tür auch in einer Alarmsituation unterstützen. Ziel ist es, Menschen mit eingeschränkter Mobilität im lokalen Alarmfall die selbstständige Rettung zu erleichtern und gleichzeitig die vorgesehene Brandschutzfunktion des Türsystems zu berücksichtigen. 

Welche Rolle spielt Gebäudeautomation bei der Barrierefreiheit?

Gebäudeautomation kann insbesondere bei multifunktionalen Türen verschiedene Funktionen und Zustände zusammenführen – etwa Türautomation, Fluchtwegsteuerung, Zutrittskontrolle oder Betriebs- und Störmeldungen. Sie ersetzt jedoch nicht die projektspezifische Planung der Barrierefreiheit und des Brandschutzes.

Kontaktieren Sie für eine umfassende Projektberatung hinsichtlich aller Spezifikationen, Lösungen und Support-Leistungen unsere GEZE Experten über die Architektenhotline: +49-7152-203-112.

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